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Schriftsteller 1816 - 1877
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LEBEN & WERK


Waisenkind: Wilhelm Hackländer wurde am 1. November 1816 in Burtscheid bei Aachen als Sohn eines Lehrers geboren. Seine Mutter verstarb bald nach seiner Geburt, sein Vater 1829. Der 12jährige Waise wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und wurde von verschiedenen Verwandten aufgenommen.

Lehrling: Mit 14 Jahren begann er eine kaufmännische Lehre in Elberfeld (heute Wuppertal), hatte aber keine Freude an der neuen Tätigkeit.

Soldat: 1832 trat er voller Abenteuerdrang freiwillig in die preußische Artillerie in Düsseldorf ein. Da ihm mangels Vorbildung die Offizierslaufbahn verschlossen blieb, quittierte nach einer schweren Manöververletzung im Jahre 1835 seinen Dienst. Seine Erfahrungen aus dem Soldatenleben dienten ihm später als Quelle für seine beliebten Soldatenhumoresken und Soldatengeschichten ("Wachstubenabenteuer", "Feuerwerker Wortmann", "Der letzte Bombardier")

Schriftsteller: Wieder in kaufmännischer Tätigkeit hatte er wenig Erfolg; Nach Treffen mit Freiligrath, den er in Bonner Künstlerkreisen kennengelernt hatte, zog er 1840 mittellos nach Stuttgart, um Schriftsteller zu werden. Dort als Schauspieler gescheitert, bekam er eine Anstellung als Übersetzer, wo er die ursprünglich englischen Texte Charles Dickens´ vom Französischen ins Deutsche übersetzen sollte. Da vieles Schreiben ihm seit seiner Verletzung hinderlich war, beschloß er für seine eigenen Arbeiten, sich einen Schreiber anzustellen. So erschienen dann 1841 die "Bilder aus dem Soldatenleben im Frieden" im "Morgenblatt" der Cottaschen Buchhandlung. Ein riesiger Erfolg für ihn. Seine lebensnahen Geschichten in Erinnerung an seine Soldatenzeit brachten ihm hohes Ansehen und öffneten ihm Zugang zu Adels- und Hofkreisen. Seine sympatische Art, Gesellschaftsfähigkeit und auch viel Glück haben ihm dabei zur Seite gestanden. 1842 reiste er mit Freiherrn v. Taubenheim ins heilige Land, während er im Auftrag König Wilhelm I. v. Württembergs sich dort auch als Pferdekäufer bewährte. 1842 erschienen dann seine Reiseberichte als "Reise in den Orient", zunächst aber unter dem Titel "Daguerreotypen". Daguerreotypen sind ja die Photos, damals hochmodern und besonders bezeichnend für das Verständnis seiner Werke: "..., doch wozu leeres Stroh dreschen oder auf dürrer Heide grasen, wenn einem die saftige Wiese des vollen Menschenlebens zu gebote steht." (Roman meines Lebens, 4. Kap.) Der Realismus ist kennzeichnend für Hackländers Werk, viel trug er aus seinen eigenen vielseitigen Erfahrungen bei und bietet auf diese Weise dem heutigen Leser einen wunderbaren Blick in die damalige Zeit. Er zeigt die Menschen, das Geschehen und fremde Länder in einer so humorvollen und klaren Art, als wäre man dabeigewesen. Nur die "Märchen" (1843) folgen einer romantischen Mode und sind eigentlich etwas untypisch.

1846
1846

Karriere: Der König von Württemberg ernannte ihn 1843 gegen vielen Widerspruch zum Sekretär und Reisebegleiter des Kronprinzen Karl. Reisen nach Italien, Belgien, Österreich, Rußland 1844 - 46 verschafften Hackländer für seine schriftstellerische Tätigkeit fruchtbare Welt- und Menschenkenntnis und viel Einblick in Theater und Hofverhältnisse. Trotz vieler Verdächtigungen und Ablehnungen bei den schwäbisch biederen Bürgern der Residenzstadt Stuttgart wegen Eleganz und Allüren, als Höfling und "Fremder" gründete er mit F. Dingelstaedt "Die Glocke", einen Club für Literaten und Künstler, an dem auch Franz Liszt und E. Geibel teilnahmen. 1850 folgte die Künstlergesellschaft "Bergwerk". 1849, mit vollem Gehalt aus seinem Amt entlassen, nahm er als Berichterstatter der Cottaschen "Allgemeinen Zeitung" am Feldzug Radetzkys in Norditalien teil. Auch über die politischen Unruhen der damaligen Zeit berichtet er in "Bilder aus dem Soldatenleben im Kriege" .

Romane: In den folgenden Jahren entstehen viele seiner besten Werke, mehr oder minder umfangreiche Romane ("Eugen Stillfried", "Der Wechsel des Lebens", "Tag und Nacht", "Der neue Don Quixote", "Der Augenblick des Glücks", "Das Geheimnis der Stadt") und erfolgreiche Theaterstücke ("Magnetische Kuren", "Der geheime Agent") . Besondere Beachtung verdient "Handel und Wandel", eine Reflektion auf seine Kaufmannszeit. Dieser Roman, den ich Ihnen hiermit besonders ans Herz legen möchte, ist neben Gustav Freytags "Soll und Haben" einer der Perlen der Kaufmannsromane, wenn auch in ganz anderer Art, wie jener. Da ist nicht alles so wunderbar, so zeigt uns Hackländer schon viele Jahre vor Gerhard Hauptmann das elende Schicksal der Weber. In der Wiegkammer, wo ihnen der geringe Lohn für jede noch so kleine Kleinigkeit ohne Rücksicht auf das Leid in den Familien gekürzt und statt Geld auch noch unbrauchbare oder verdorbene Ware aufgedrängt wird. Ja, die Lehre in einem Modewarengeschäft in Elberfeld, einer damals aufstrebenden Industriestadt, war schon ein gutes Lehrstück.

Soziale Aspekte: Auch wenn Hackländer durchaus kein Revolutionär war und besondere Tendenzen in seinen Werken meist sorgfältig mied, vergaß er nicht die arme Bevölkerung und schilderte die oft traurigen Verhältnisse. In den "Namenlosen Geschichten" (1851) sind es die armen Laternenanzünderinnen die durch die neue Gasbeleuchtung arbeitslos werden und im "Europäischen Sklavenleben" findet Hackländer noch deutlichere Worte. Das große Interesse der gehobenen Stände am Schicksal der amerikanischen Sklaven in Harriet Beecher-Stoves "Onkel Toms Hütte" wird angesichts der Not und Armut vor der eigenen Tür als oberflächlich entlarvt.

Garten- und Baudirektor: Der Bau der Villa Berg in Stuttgart und seines eigenen Heidehauses nach seiner Heirat 1849 mit Caroline Opitz (Tänzerin, 1818-1900) brachte Erfahrungen, die er ab 1859 als Garten- und Baudirektor in Stuttgart nutzen konnte (Schloßplatzanlage, Königsbau u. a. in Zusammenarbeit mit dem Architekten Christian v. Leins, mit dem er 1853/54 Spanien bereiste, "Ein Winter in Spanien").

Ritter von Hackländer: 1860 wurde ihm der erbliche österreichische Adel verliehen. Nach dem Thronwechsel 1864 war er freier Schriftsteller und war ab 1857 Herausgeber der bekannten illustrierte Zeitschrift "Über Land und Meer" (1858 bis 1923, "Deutsche illustrierte Zeitung").

Ruhestand: Die letzten Lebensjahre verbrachte Hackländer in seinem Haus am Starnberger See, wo einige Werke sehr unterschiedlicher Qualität enstanden ("Verbotene Früchte", "Kainszeichen"). Nenneswert ist insbesondere der Roman "Nullen", eine Abrechnung mit der Stuttgarter Hofgesellschaft. Leider wurden diese späten Glanzlichter kaum zur Kenntnis genommen, die alten Erfolge verkauften sich dagegen prächtig. Nach seinem Tode (06. Juli 1877 in Leoni am Starnberger See) wurde ihm unrecht getan, als echte Kritiker, die vor allem sein Spätwerk bemängelten, als auch Neider und Gegner versuchten, ihn schlechter zu machen als er war.

Pragfriedhof
Hackländers Grab auf dem Stuttgarter Pragfriedhof (links auf dem Foto)
sowie eine Aufnahme (April 2002) direkt von vorn.


http://www.fw-hacklaender.de  © 20.05.2002    nach oben
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